Wie beeinflussen Algorithmen unsere politische Meinung? Und wo liegen die Grenzen zwischen technischem Fortschritt und digitaler Manipulation? Um diesen hochaktuellen Fragen nachzugehen, besuchten wir, die Sowi-Kurse der EF und Q1, gemeinsam mit Herrn Wurm das Heinz Nixdorf Museums Forum.
Zusammen mit Schülerinnen und Schülern anderer Paderborner Schulen nahmen wir an einem Aktionstag zum Thema „Wir sagen Zusammen:halt“ teil, der besonders die Rolle der Politik in den sozialen Medien beleuchtete.
Der Tag begann um 9:30 Uhr mit einem ersten Austausch, wonach wir im Auditorium offiziell begrüßt wurden. Bevor wir uns in die tiefgehende politische Diskussion stürzten, verschafften wir uns in einer Führung durch die Ausstellungsbereiche „Von der Keilschrift zum Computer“ und „Der Computer erobert die Welt“ den nötigen Hintergrund. Dabei ging es jedoch um weit mehr als nur alte Rechenmaschinen. Wir untersuchten die Entstehung von KI und die Frage, wie Technik unsere Kommunikation verändert. Ein zentraler Themenbereich war KI vs. Programmierung: Am Beispiel des Roboters „Petra“ lernten wir den Unterschied zwischen echter Intelligenz und starrer Programmierung. Dies ist entscheidend, um zu verstehen, wie Bots in sozialen Medien funktionieren: Sie wirken oft menschlich, folgen aber nur einem programmiertem Code. Ein weiterer Themenbereich war Technik als Werkzeug und Waffe: Wir erfuhren, wie technischer Fortschritt einerseits Menschen mit Behinderungen entlasten kann, aber andererseits auch neue Räume für Hate Speech und gezielte Desinformation schafft. Außerdem erfuhren wir etwas über die historischen Parallelen: Die Führung zeigte uns, dass jede Medienrevolution, von der Schrift bis zum Internet, die Gesellschaft vor die Herausforderung stellte, den Zusammenhalt neu zu definieren.
Mit diesem technischen und historischen Hintergrundwissen waren wir gut vorbereitet für den programmatischen Höhepunkt des Tages: die Talkrunde um 12.30 Uhr. Nach einer kurzen Stärkung in der Mittagspause diskutierten die Ehrengäste Dr. Udo Markus Bentz und Fabian Grischkat gemeinsam mit einem Moderator über Gefahren für unsere Demokratie im Netz, über Hate Speech und Bots.
Der Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz begann mit einer persönlichen Shitstorm Erfahrung, die er im Rahmen einer Kunst-Aufführung im Dom zu Paderborn erlebte. Obwohl er nicht für diese Aufführung verantwortlich war, wurde er weltweit angegriffen, unter anderem auch von automatisch generierten Bot-Kommentaren. Dadurch vergrößerte sich dieser Shitstorm enorm. Dr. Udo Markus Bentz rief dazu auf, sich zuerst intensiv mit solchen Thematiken auseinanderzusetzen, bevor man solche Desinformationen verbreitet. So könne man vor allem unberechtigte Shitstorms vermeiden. Wir alle haben eine gesellschaftliche Verantwortung und können beeinflussen, ob sich solche polarisierenden Informationen verbreiten oder nicht. Darüber hinaus machte der Erzbischof darauf aufmerksam, dass dieser Aktionstag uns vor allem stärken soll und dass wir uns unserer sozialer Verantwortung bewusst werden. Er ist der Meinung, dass man Jugendliche ermutigen sollte, sodass man trotz der Risiken zuversichtlich in die Zukunft schauen kann.
Der Social-Media-Creator und bekannte Online-Aktivist Fabian Grischkat klärte im Folgendem über Hate Speech, Medienkompetenz und den richtigen Umgang mit sozialen Medien auf. Hate Speech sei mehr als eine Beleidigung und hat einen enormen Einfluss auf die Betroffenen und das gesellschaftliche Klima. Daher sei es wichtig, soziale Medien als Orte des konstruktiven Austauschs zu gestalten. Ein Medienverbot, wie man es zum Beispiel in Australien vorfindet, lehnt Grischkat deshalb klar ab und plädiert zu einer ausgewogenen Medienkompetenz. Darüber hinaus haben wir einiges über Bots im Internet erfahren. Man begegne solchen Bots öfter, als man denkt, jedoch unterscheide man zwischen guten und bösen Bots. Erstaunlicherweise überwiegen die bösen Bots im Internet deutlich und seien aufgrund ihrer Authentizität kaum von echten Kommentaren zu unterscheiden. So erwähnte Grischkat zum Beispiel einem Hate-Kommentar unter einem politischen Insta-Beitrag, der von einem unscheinbarem Profil verfasst wurde. Allerdings stellte sich heraus, dass hinter diesem Account ein Bot steckte, welcher ein Bild einer norwegischen Schauspielerin als Profilbild missbrauchte. Darüber hinaus machte Grischkat deutlich, dass weltweit eine Tendenz zur Autokratisierung zu erkennen ist. Daher ist es besonders wichtig, seine Rolle in der Demokratie zu erkennen und sich aktiv für demokratische Werte einzusetzen.
Nach diesem sehr informativen Talk hatten wir noch Zeit, uns darüber hinaus mit dem Erzbischof und Fabian zu unterhalten und Fotos zu machen. Darauf folgte ein Teambuildingprogramm, das aus mehreren Stationen bestand. Diese Stationen beinhalteten Aufgaben wie verschiedene politische Quizze. Um 15.30 Uhr erhielten wir dann noch eine Goodie-Bag und wurden verabschiedet.
Der Tag im HNF hat uns vor Augen geführt, dass Politik im 21. Jahrhundert untrennbar mit Medienkompetenz verbunden ist.
Wir haben gelernt, dass wir Informationen im Netz kritischer hinterfragen müssen. Der „Zusammen:halt", den das Erzbistum fordert, beginnt dort, wo wir Bots entlarven ,Fake-Profile erkennen und uns nicht von künstlich erzeugte Wut mitreißen lassen.
Text: Maria Thiele und Tara Hüser (Q1)
Foto: Meeri Lindenblatt
