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Am 29. Januar 2026 verabschiedete die Schulgemeinschaft des Gymnasiums St.Michael die Augustiner Chorfrau und langjährige Oberstufenkoordinatorin Sr.M.Ulrike Brand in den wohlverdienten Ruhestand.

Die Feierlichkeiten begannen mit einem Gottesdienst im Hohen Dom zu Paderborn. In seiner Predigt verwies Pastor und Schulseelsorger Achim Hoppe bereits auf die sich auch in der Fächerkombination von Sr. M. Ulrike zeigende besondere Verbindung „zweier Welten“. Diese zeige sich in der horizontalen (Erdkunde) und vertikalen (Religion) Ausdehnung der Inhalte. Zusammen genommen ergäbe sich dadurch die Form des Kreuzes, welche die Nähe zu Gott symbolisiere. Für Sr. M. Ulrike würde nun zwar der schulische Lebensabschnitt enden, nicht aber der Erziehungsauftrag der Augustiner Chorfrauen, der von nun an eine neue Gestalt der BERUFung annehme.

Sr.M.Ulrike bedankte sich am Ende des Gottesdienstes bei den Schülerinnen und Schülern der Oberstufe, die zu ihrer Verabschiedung ebenfalls in den Dom gekommen waren. Sie habe die Begegnungen mit ihnen immer sehr geschätzt und viel von ihnen lernen können. Für die Zukunft wünschte sie ihnen die Verwirklichung ihrer Ziele und Träume, ohne dafür „fake“ sein zu müssen.

Die Verabschiedungsfeier wurde anschließend bei einem Festakt im Saal des Musikforums der Michaelsschulen fortgesetzt.

Schulleiter Claudius Hildmann begrüßte die anwesende Festgemeinschaft und beschrieb den Anlass als betrüblich-nachdenklich und freudvoll zugleich. Nach 39 Dienstjahren insgesamt und 26 Jahren an St.Michael gingen nicht nur die Dienstjahre von Sr.M.Ulrike zuende, sondern mit ihr auch nach 367 Jahren die Lehrtätigkeiten der Augustiner Chorfrauen am Gymnasium St.Michael.

Sr.M.Ancilla Ernstberger, die Oberin der Augustiner Chorfrauen Paderborn, wählte für ihre Grußworte das Bild von „Himmel und Erde“ - und bezog sich dabei nicht nur auf ein rheinisches Nationalgericht. Sr.M. Ulrikes Anliegen sei es stets gewesen, eine „Brücke“ zu bilden und beides - „Himmel und Erde“ - miteinander zu verbinden. Mit Gewissenhaftigkeit, Sorgfalt und Freude habe sie ihren Unterricht und ihre Funktionsstelle ausgefüllt. Charakteristisch für sie seien dabei die unbedingte Identifikation mit St.Michael und die apostolische Sendung  gewesen. Dieser Abschnitt ihres „Berufungslebens“ höre jetzt auf. Abschließend äußert die Oberin den Wunsch, dass auch nach dem Fortgang der Augustiner Chorfrauen nach nunmehr 14 Generationen (seit März 1658 waren insgesamt 250 Ordensschwestern als Lehrerinnen an St.Michael tätig) „diese schöne und große Aufgabe“ (Zitat Sr.M.Imelda) an St. Michael in diesem Sinne fortgeführt werde.

Dompropst Monsignore Joachim Göbel, der Leiter des Bereichs Schule und Hochschule des Erzbistums Paderborn, betonte, dass durch die Präsenz der Ordensfrauen an der Schule das katholische Profil explizit sichtbar würde. Bezogen auf die durch den ehemaligen Schulleiter Hartmut Mecke verfasste Chronik der Augustiner Chorfrauen, fasste der Dompropst kurz die historische Dimension der 367 Jahre dauernden Beziehung der Augustiner Chorfrauen zu St.Michael zusammen. Er richtete seine Wünsche an Sr.M.Ulrike und den gesamten Konvent, indem er Pierre Fourier mit den Worten zitierte: „Gott soll eure ganze Liebe sein“ und „Bewahrt eure Liebe untereinander“. Auf die Darstellung des heiligen Augustinus mit einem brennenden Herzen Bezug nehmend, schloss er mit dem Wunsch der fortgeführten Unterstützung für die Schule im Gebet: „Brennen Sie für das Wohl der uns anvertrauten Kinder.“

Schulleiter Claudius Hildmann beeindruckte im Folgenden durch sein im Stil von Heinz Erhardt gereimtes Loblied auf Sr. M. Ulrike, indem er ihren Werdegang sehr treffend und unterhaltsam resümierte. Sr. M. Ulrike sei die „Quirligkeit in Kopf und Beinen“, sodass ihre Pensionierung für ihn viel zu früh komme. „Immer gemäßigt, nie als Star“ - habe sie, so der Schulleiter, nie gerne im Rampenlicht gestanden, der Schuldienst - „Einsatz für alle mit 100%“- sei für sie „keine Pflicht“ sondern „eine Tugend“ gewesen. Seit 2018 verkörperte Sr.M.Ulrike gemeinsam mit Herrn Hildmann und Martin Rüther, dem stellvertretenden Schulleiter, die kollegiale Schulleitung am Gymnasium St. Michael. Als Lehrerin mit Stil, Fleiß und Demut sei sie „mit Liebe, aus Liebe“ stets für alle Belange der Schülerinnen, Schüler und des Kollegiums gleichermaßen ansprechbar gewesen - „für Gott und Mensch, mit weitem Herzen“.

Johanna Thieleke sprach stellvertretend für die Fachschaft Erdkunde Sr.M.Ulrike ihren Dank aus und bezeichnete sie als „Geographin mit göttlicher Gelassenheit“. Bildung sei  für sie immer die Verbindung von „Kopf“ und „Herz“ gewesen. Sr.M.Ulrike sei immer ein guter „Kompass“ im Schulalltag gewesen, auch wenn es mal „tektonisch“ geworden sei.

Petra Ritter-Osterfeld verlas, sichtlich berührt, die Dankesworte der Fachschaft Religion und betonte, dass Sr.M.Ulrike ihre Arbeit stets als „Dienst am Nächsten“ (Actio) verstanden habe. Die „Rückbesinnung auf Gott und unsere Wurzeln“ (Contemplatio) sei ihr genauso wichtig gewesen, wie das „Erkunden neuer Räume“ (Erdkunde) und der „Beistand in seelischen Krisenzeiten“ (Communio). Frau Ritter-Osterfeld wünschte sich, dass auch nach dem Ende der Dienstzeit von Sr.M.Ulrike und dem Wegfall eines nach außen sichtbaren Bezugs zum Kloster, der Geist der Schwestern, ihre Prinzipien und Verhaltensweisen, weiter am Leben gehalten werden.

Mitglieder des Lehrerrats gestalteten den Abschiedsgruß des Kollegiums als Abiturklausur - einem Format, mit dem Sr.M.Ulrike im Rahmen ihrer Funktionsstelle mehr als vertraut gewesen ist. Das Gremium hatte im Vorfeld O-Töne des Kollegiums als Konglomerat von Sr.M.Ulrikes Eigenschaften gesammelt, aus dem sie folgende Charakterzüge exemplarisch vorstellten: „Menschliche Wärme / Empathie: Der Blick für alle Schülerinnen, Schüler und das Kollegium wird fehlen“; „Fels in der BRANDung: Verlässlichkeit und Kompetenz“; „Brückenbauerin zwischen zwei Welten: lebendiges Bindeglied, Bildung mehr als nur Vermittlung von Fakten, eine Ära endet“.

Die Mitglieder des Schulpastoralkreises, der - so Schulseelsorgerin Bettina Schmidt - für die Vernetzung der drei Schulen St. Michael auf spiritueller Ebene stehe, überreichten Sr.M.Ulrike eine Pflanze mit besonderen Wünschen, die auf Papierblüten geschrieben wurden. 

Auch die Vertreterinnen der Elternschaft,  der SV und VeSch bedankten sich bei Sr.M.Ulrike für ihr immer offenes Ohr bei allen Fragen und Problemen. Die Vertreter des Elternfördervereins schlossen zudem mit dem Wunsch, dass der gute und besondere Geist der Ordensfrauen auch nach dem Fortgang der letzten Ordensschwester an St.Michael Bestand haben möge.

Im Namen der Kollegien von Realschule und Grundschule betonten die Schulleitungen die Verlässlichkeit, Zugewandtheit und das immer echte Interesse für die ihr anvertrauten Schülerinnen und Schüler. Sie habe schulübergreifend die Übergänge durch ihre vertrauensvolle, klare und stets wohlwollende Zusammenarbeit für alle gewinnbringend begleitet.

Die einzelnen Programmpunkte wurden durch dem Anlass angemessen feierlich und gekonnt präsentierte Musikstücke von aktuellen und ehemaligen Musiktalenten des Gymnasiums St. Michael begleitet. Kolja Berning, Jana Telgenbüscher und Jonas Walter begeisterten am Klavier und Cello mit klassischer Musik, Stefan Jung spielte im Dom die Orgel und begleitete den Lehrerchor am Klavier. Der Domkantor Patrick Cellnik  spielte zusammen mit Kolja Berning eine Sonate für Klavier zu vier Händen.

Zum Abschluss des Festaktes durften auch die Dankesworte der Hauptperson - Sr.M.Ulrike Brand - nicht fehlen.

„Wie hält man eine Rede, die man nicht halten möchte…?“ Auch wenn ihr der Abschied vom Schulalltag schwerfalle, so sage sie, Dag Hammarskjöld zitierend, „dem Vergangenem Dank, dem Kommenden Ja“. Ihr Dank gelte zunächst Gott, so geschehen auch bei dem Gottesdienst zu Beginn der Feierlichkeiten. In den letzten Monaten habe sie viele „letzte Male“ bewusst wahrgenommen, die sie mit Wehmut erfüllt hätten, da sie die finalen Schritte in Richtung Abschied markiert hätten. Sie sei immer sehr gerne Lehrerin gewesen und habe sich oft gefragt, warum sie dafür nicht eine Vergnügungssteuer bezahlen müsse. Ihre BERUFung sei ein Geschenk gewesen, es hätte nicht besser kommen können - auch harte Wegstrecken hätten sich letzten Endes immer gefügt. Auch ihre Mitschwestern, denen sie dafür dankt, wären diesen Weg mitgegangen und sie hätte immer die Kraft gespürt, von ihnen im Gebet und im Geist mitgetragen worden zu sein. Dem Domprobst dankte sie für das Vertrauen, das sich gezeigt habe, als sie 2018 als Mitglied der kollegialen Schulleitung eingesetzt worden sei. Ihre Mitstreiter in dieser Position, Schulleiter Claudius Hildmann und stellvertretender Schulleiter Martin Rüther, hätten ihr ebenfalls immer sehr viel Wertschätzung und Vertrauen entgegengebracht. Sie freue sich darüber, dass sie erfahren durfte, wie sehr den Beiden auch die Ordenstradition am Herzen liege. Dem Kollegium und den Ehemaligen dankte sie für die gute Zusammenarbeit, das gemeinsame Lachen und die über das Kollegiale hinausgehende Gemeinschaft. An St.Michael arbeiteten Menschen, die mehr als nur ihren Job machten.

Sie versicherte der Schule weiterhin treu verbunden zu bleiben, als Person, Ansprechpartnerin und Ehemalige, aber auch im täglichen Gebet für die Schulgemeinschaft, gemeinsam mit den anderen Augustiner Chorfrauen.

 

Text: V. Renken

Foto: A. Sarmas