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 28. Januar 2026, Mittwochabend, ich sitze im Zug nach einer Woche Austausch in Le Mans zusammen mit elf Schülerinnen und Schülern des Jahrgangs 9 und Frau Geburzi. Die Stimmung ist ausgelassen. Nach einer Woche voller Höhen (und nur wenigen Tiefen) kann man das absolut verstehen:
 

Unsere Reise beginnt am 21. Januar im grauen Wintermorgen um halb fünf Uhr am Maspernplatz. Verschlafene Gesichter steigen in den Bus, der uns zum Dortmunder Hauptbahnhof bringt, der ersten Station unserer Fahrt. Wir sind froh, uns für den ersten Teil der Fahrt nicht für die Deutsche Bahn entschieden zu haben: „Zug entfällt!“.

Von Dortmund aus geht es weiter mit dem Eurostar über Köln, Lüttich und Brüssel. Die Vorfreude steigt. Wir haben einen fünfstündigen Aufenthalt in Paris. Also ab ins Metrogewirr und bei Les Halles wieder raus. Bei strahlendem Sonnenschein schaffen wir es, nicht nur alle Shoppingträume wahr werden zu lassen, sondern besichtigen auch die ebenso strahlende, neu errichtete Kathedrale „Notre Dame“.

Gegen Abend treffen wir in Le Mans ein. Da wir uns erst vor einer Woche am Paderborner Hauptbahnhof von unseren französischen Gästen verabschiedet haben, wird am Bahnhof in Le Mans nicht gefremdelt. Alle fallen sich freudig in die Arme und das Abenteuer beginnt…

Der erste Tag beginnt mit vier Stunden Unterricht: Die französischen Lehrkräfte sind sehr streng, es gibt kaum Schüleraktivität und dazu fallen wir als Deutsche, vor allem auf dem Schulhof des kleinen Collège St. Benoit-Maupertuis, ziemlich auf. Wir erscheinen allen groß, blond und wahnsinnig hübsch zu sein. Letzteres lassen wir uns natürlich gerne sagen, aber schon am ersten Tag können wir verstehen, warum unsere Austauschschülerinnen und -schüler vor knapp einer Woche gerne bei uns an der Schule geblieben wären.

Wie gut, dass wir ab dem Mittag nicht mehr am Schulbetrieb teilnehmen müssen, sondern unsere eigenen „Ateliers“ besuchen, uns mit Sprachspielen beschäftigen, französische Zungenbrecher üben und Tabu spielen. Am Nachmittag werden wir gleich in die Tradition des Nachmittagssnacks, dem „Goûter“, eingeführt: Die französischen Lehrerinnen Frau Madelon und Frau Manceau haben noch am Vorabend Berge von Crêpes für uns gebacken, die wir alle in Rekordzeit essen, nur ein Auftakt für die vielen Köstlichkeiten, die uns die französische Esskultur beschert. Den Abend verbringen wir in unseren Familien.

Am Freitag dürfen wir das Museum zum berühmten 24-Stunden-Rennen und Teile der Rennstrecke besichtigen. Unsere französische Führung macht uns deutlich, dass der Französischunterricht bisher ganz erfolgreich war: Außer den schwierigen Zahlen können die Schülerinnen und Schüler ganz gut folgen und die junge Französin ist begeistert, dass wir Fragen beantworten, mitdenken und nachfragen. Anschließend haben wir noch freie Zeit, die wir im mittelalterlichen Kern von Le Mans verbringen, durch die Gässchen schlendern und französisches Essen genießen.

Das Wochenende verbringen wir in den Familien, die nicht alle rein französische Kultur bieten. Teile der Schülerschaft haben arabische oder afrikanische Wurzeln und so lernen wir nicht nur unser Nachbarland kennen, sondern bekommen auch Einblick in die kulturelle Vielfalt Frankreichs.

Unser Austauschprogramm endet am Dienstag mit einem Tagesausflug nach Nantes, der Hauptstadt des Regierungsbezirks. Wir besichtigen ein farbenfrohes ehemaliges Fischerdorf und das Schloss der Stadt, in dem wir etwas über die Geschichte der Bretagne und Frankreichs lernen: „Degemer mat et breiz! Bienvenue en France!“ Erinnerungen an alte Unités im Schülerbuch werden wach. Am Abend treffen wir in der Schule auf die Familien, die für uns ein reichhaltiges Buffet vorbereitet haben. Die Familien sind froh, uns empfangen zu haben und wir haben Gelegenheit unsere Dankbarkeit auszudrücken.

Mittwochabend, 28. Januar 2026, ich sitze im Zug und lasse die letzen Tage Revue passieren. Der Abschied heute Morgen war tränenreich nach der intensiven Zeit, die eigentlich schon vor drei Wochen mit dem Besuch der französischen Gäste in Paderborn begonnen hat. Aber auch dieses Mal gibt es keinen richtigen Grund, traurig zu sein. Wir werden uns wiedersehen. Die französischen Schülerinnen und Schüler möchten im nächsten Jahr alle wiederkommen, auch wenn sie dann andere Partnerinnen und Partner besuchen werden. Die Termine sind schon festgelegt und wir Lehrkräfte nach den wunderbaren ersten Erfahrungen hoch motiviert, diesen Austausch zu einer festen Institution werden zu lassen.

 

Text / Fotos: I. Niemann