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Eine wunderbare Woche des intensiven „Austauschs“ liegen hinter uns - die unterschiedlichen Sprachen, Kulturen und Gewohnheiten unserer deutschen und französischen Jugendlichen wurden auf vielfältige Weise erfahren. Vom 7. bis zum 13. Januar besuchte uns eine zehnköpfige Gruppe französischer Jugendlicher mit ihren begleitenden Lehrerinnen Cécile Madelon und Céline Manceau.
 

Das schneereiche Wetter erschwerte die Anreise, so dass unsere Gäste erst in der Nacht auf Donnerstag um ein Uhr eintrafen. Unsere Familien machten sich bei schneebedeckten Straßen tapfer auf den Weg, um ihre Schützlinge der kommenden Woche abzuholen. Der Empfang am Bahnhof war bereits sehr herzlich und trotz der nächtlichen Stunden beherrschten Vorfreude und Aufregung die Stimmung.

Unser Programm startete am nächsten Morgen mit einem gemeinsamen Frühstück in dem neuen Mehrzweckraum hinter der Cafeteria. Nach der kurzen Nacht ging es allen erstaunlich gut und die französischen Schülerinnen und Schüler waren begeistert von unseren neuen Räumlichkeiten.

Das Collège in Le Mans ist mit insgesamt nur 250 Lernenden deutlich kleiner als unsere Schule, so dass ihnen alles groß und unübersichtlich vorkam. Die begrüßenden Worte von Herrn Hildmann erzeugten eine herzliche Atmosphäre und die Jugendlichen fühlten sich nach dem Frühstück freundlich empfangen und deutlich entspannt.

Der erste Tag war mit einem anschließenden Besuch beim stellvertretenden Bürgermeister Robert Siemensmeyer im Rathaus, einer Besichtigung des Domturms unter der Führung von Alexandros Sarmas und einer kleinen Stadtrallye gut gefüllt.

Am Freitagmorgen besuchten die französischen Jugendlichen den Unterricht mit ihren jeweiligen Austauschpartnerinnen und -partnern. Einige konnten dem Unterricht bereits gut folgen, andere waren sichtlich erschöpft von der Anstrengung der Reise und dem dichten Programm des ersten Tages. Sie nahmen unsere Schulkultur als sehr positiv wahr und einige bekannten, sie würden lieber am deutschen Unterricht teilnehmen.

Zisch - Boing - Pau! Im Nachmittagsbereich besuchten wir ein theaterpädagogisches Programm unter der Leitung von Markus Wegner in den Kammerspielen, das mit kurzweiligen Übungen eine heitere Atmosphäre schuf und die Jugendlichen dazu anregte, gemeinsam kreativ zu sein, aus der Komfortzone hinauszugehen und in kleinen darstellenden Übungen über sich hinauszuwachsen.

Anschließend war die Stimmung so gut, dass wir alle in der Schule noch zum gemeinsamen Pizzaessen und Filmschauen bis in die Abendstunden blieben. Die leicht zu verfolgende Handlung des Films „Fack Ju Göhte“ entlockte so manchem Franzosen ein Lächeln und das Vokabular ist sicherlich um einige „gros mots“ gewachsen.

Das Wochenende in den Familien wurde vor allem genutzt, um sich sportlich zu betätigen: Schwimmen, Reiten und jegliche Sportarten im Schnee wurden ausprobiert. Das Wetter war für die französischen Jugendlichen eine besondere Freude, denn so viel Schnee hatten sie nach eigenen Angaben in Le Mans noch nie gesehen. So wurde das Wochenende für viele eine besondere Erfahrung. Die Herzlichkeit mit der sich unsere Familien um die Jugendlichen kümmerten trug dazu bei, dass niemand Heimweh bekam und viele gerne noch länger als die eine Woche geblieben wären.

Auch wenn am darauffolgenden Montag unsere Schule wegen der Wetterlage geschlossen blieb und die französischen Schülerinnen und Schüler in den Genuss von Distanzunterricht kamen, blieb die Stimmung erhalten. Sie hatten die Aufgabe, sich gemeinsam und bilingual mit dem Beginn der deutsch-französischen Freundschaft zu beschäftigen. Die Erkenntnis, dass der Aufbau dieser Beziehung nach Ende des Zweiten Weltkrieges eine Herausforderung war, deren Gelingen wir heute eine relativ stabile Mitte in Europa verdanken, kam schnell.

Und was wäre eine gute Beziehung ohne den gemeinsamen Genuss von köstlichem Essen. Liebe geht durch den Magen! Am Montagnachmittag kochten die Jugendlichen in den ehemaligen Räumlichkeiten der Fürstenbergrealschule unter Leitung von Ilka Dinkelmann und Iris Pape ein Drei-Gänge-Menü mit buntem Salat, vegetarischen Burgern und Apfelkrapfen. Alles wurde selbst gemacht, von den Burgerbuns bis zur Soße. Und es war lecker! Die Stimmung war dementsprechend ausgelassen und alle ein bisschen traurig, dass sich die gemeinsame Zeit bereits dem Ende neigte.

Am Dienstag besuchten die französischen Schülerinnen und Schüler zum Abschluss das HNF und am Nachmittag trafen sich alle zum gemeinsamen Bowlen, bevor sie am Mittwoch die Heimreise antraten.

Ganz so betrübt müssen wir aber nicht sein, eine Woche später beginnt bereits der Gegenbesuch in Le Mans und so können die sehr guten Beziehungen weiter vertieft werden. Fortsetzung folgt…

 

Text / Fotos: I. Niemann