Unterricht "Up de Nonnen"

paderborn stadtansicht Jeden Tag am Reismannweg: große Pause im Pelizäus- und Reismann-Gymnasium, Scharen von Schülerinnen und Schülern verstopfen den Weg, nur unter Mühen kommen Passanten durch.
Wie wäre das erst auf der belebten Westernstraße: große Pause, Scharen von Schülerinnen besetzen die Treppenaufgänge der Franziskaner-Kirche, blockieren die Einkaufsmeile, für verärgerte Passanten kaum noch ein Durchkommen zu den Geschäften.
Abwegig? Nicht ganz!
1653 – vier Jahre nach Ende des Dreißigjährigen Krieges – hatten die Oberin der Münsteraner Klosterschule und der Paderborner Bischof von der Reck sich geeinigt: Sie schickt einige Schwestern, er schenkt ihnen dafür das „Rickwinsche Haus an der Westernstraß", einen stattlichen Gebäudekomplex.

 

meyersche haus

Ein tolles Angebot, aber die Schwestern kamen nicht; sie hatten etwas Besseres in Aussicht: die Äbtissin Salome von Essen bot ihnen ein komplett eingerichtetes Damenstift, leerstehend, sofort beziehbar. Salome war wie von der Reck bis 1648 bei den Friedensverhandlungen in Münster gewesen, beide hatten dort vom tollen Unterricht der „französischen Nonnen" gehört und wie begeistert die Bürger ihnen ihre Töchter schickten: Jedes Mädchen war willkommen, ob arm oder reich, kostenlos der Unterricht, man musste nur regelmäßig kommen, fleißig sein und viel lernen wollen. Salome wie von der Reck sahen sich das selber an und dachten an ihre geschundene Heimat, nach 30 Jahren Krieg völlig zerstört und ausgeblutet und verwahrlost, vor allem die Jugend, besonders die Mädchen, für die man allgemein Schulunterricht sowieso höchst überflüssig fand.
Salome handelte erfolgreicher, höchst verlockend war ihr Angebot: Die Oberin schickte noch 1652 zwei Schwestern nach Essen. Der Bischof war sauer, ungehalten, die Schwestern ließen nicht mal mehr etwas von sich hören; und die Not in Paderborn wurde immer größer, als 1655 dort eine hysterische Hexenverfolgung ausbrach, so schlimm, dass der völlig verzweifelte Bischof sich an den Papst wandte. Alexander VII. schickte postwendend Rat: Gegen diesen Wahnsinn hilft am besten Bildung, ordentlicher Unterricht für die Mädchen! Der Papst wusste, was er sagte: Auch er war bis 1648 in Münster gewesen, auch er hatte dort den Mädchenunterricht der Schwestern erlebt, für ihn war das der einzige Ausweg aus dem Hexentheater.
1657 endlich gab es neue Kontakte zwischen Oberin und Bischof, 1658 kamen tatsächlich zwei Schwestern. Zwar: das große Gebäude an der Westernstraße war weg, das hatte der Bischof den neu zugezogenen Franziskanern geschenkt. So mussten die Schwestern vorerst „uffn Kampe" ihre Schule eröffnen, in sehr enger Behausung, nahe beim Theodorianum.

Unterricht für Mädchen? Die Paderborner Ratsherren waren misstrauisch, sprachen von einer „vermumbten sach", die ersten Schülerinnen wurden nach Schulschluss von aufgehetzten Jugendlichen verprügelt, mit Steinen beworfen; aber bald hatte es sich herumgesprochen: die Nonnen machen tollen Unterricht! Die Eltern waren begeistert, die Mädchen vor allem, es wurden immer mehr, der Raum reichte nicht mehr aus: Da schenkte ihnen Bischof Ferdinand das Meyersche Haus mit weitem Gelände an der Pader.
Seitdem sind dort Kloster und Mädchenschule: erst St. Josef, wenig später St. Michael – aber das ist dann schon eine andere Geschichte.

 

Hartmut Mecke
(ehem. Schulleiter des Gymnasiums St. Michael)

 

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