Eine szenische Vorlesung über Adolf Eichmann am Gymnasium St. Michael

Lesung Eichmannprotokolle 07 12 2017 ROT KLEIN 4

Am Mittwoch, dem 21.02.2018, kamen wir Schülerinnen der Geschichtskurse aus den Jahrgängen Q1 und Q2 in den Genuss der szenischen Vorlesung „Arzt hätt´ ich nicht werden dürfen - das Verhörprotokoll des Adolf Eichmann“. Harald Schandry und Bernd Surholt von den hannoverschen Kammerspielen machten es uns Schülerinnen möglich durch ihre szenische Vorlesung und anschließender Nachbesprechung alles über den SS-Mann Eichmann zu erfahren und über ihn ins Gespräch zu kommen.

Adolf Eichmann (1906-1962) war SS-Obersturmbannführer während der Zeit des Nationalsozialismus und übernahm nach der Wannsee-Konferenz die Koordinierung der Züge für die Abtransporte der Juden in die Vernichtungslager. Damit trifft auch ihn die Schuld an dem Schicksal der sechs Millionen Opfer, die in den Konzentrationslagern europaweit qualvoll umgebracht wurden. Ganz klar. Auch er hätte sich in Nürnberg vor dem Tribunal der Siegermächte       (20. November 1945- 1.Oktober 1946), wo die Hauptkriegsverbrecher nach dem Zweiten Weltkrieg angeklagt wurden, verantworten müssen und wäre verurteilt worden. Stattdessen flüchtete er nach ein paar Jahren, in denen er unter falschem Namen in der Nähe von Lüneburg gelebt hatte, über Italien nach Argentinien, Buenos Aires, wo er unter dem Namen Ricardo Klement ganz unbehelligt verschiedenen Tätigkeiten nachging. 

 

Ohne jemals von der Ideologie des Nationalsozialismus abzurücken, schrieb er des Weiteren dort an seiner Autobiografie. In dieser lobt Adolf Eichmann sich, an der Organisation der Vernichtung der sechs Millionen Menschen beteiligt zu sein. Fritz Bauer, dem hessischen Generalstaatsanwalt, gelingt es, Eichmann mit Hilfe eines in Argentinien lebenden Freundes aufzuspüren, was er dem israelischen Geheimdienst mitteilt, denn in Deutschland bestand aus verschiedenen Gründen kein Interesse daran, ihn vor Gericht zu stellen.

1960 wird er schließlich vom israelischen Geheimdienst von Argentinien nach Israel entführt, um ihm dort den Prozess zu machen. Entführt wurde er deswegen, weil zwischen Israel und Argentinien kein Auslieferungsabkommen besteht. Dieser Prozess erstreckte sich von April bis Dezember 1961  und endete mit dem Todesurteil für Adolf Eichmann, das 1962 vollstreckt wurde.

Genau dieser Prozess war die Grundlage der szenischen Vorlesung „Arzt hätt´ ich nicht werden dürfen“. Angereichert mit Originaldokumenten machten die beiden Schauspieler bewusst, dass Eichmann bis zuletzt darauf bestand, im juristischen Sinn unschuldig zu sein. Einer der beiden Schauspieler verkörperte Eichmann, der andere stellte den Ankläger, der zugleich Polizist war, dar und gab uns Zuschauern zusätzlich durch Zeitungsmeldungen immer wieder den historischen Rahmen.

Geprägt waren die Worte Eichmanns vor allem durch Lügen, Verleugnungen, Widersprüchen und Ausreden, wie es aus den seitenlangen Verhörprotokollen deutlich wurde.  Worte, die bei einem gesunden Menschenverstand nur Verachtung hervorrufen können.

„Das sind keine persönlichen Entscheidungen gewesen, wäre ich                                             nicht dort gewesen, irgendjemand anderer hätte genau dieselben Entscheidungen treffen müssen, auf Grund der vorliegenden Weisungen, Verordnungen und Erlasse...“

(Adolf Eichmann) 

Diese schockierende und zugleich zentrale Aussage Eichmanns zeigt, wie unmenschlich er dachte, fühlte und handelte. In der Position für die dreckigsten Machenschaften Hitlers verbarg Eichmann sich hinter „Weisungen, Verordnungen und Erlasse...“ ohne sich auch nur ansatzweise als eigenständige Person, die sehr wohl auch mit den Vernichtungsmethoden aller Art vertraut war, für schuldig zu befinden.

Die damit gegebene Täterperspektive, so unmenschlich sie auch ist, wurde uns sowohl in der szenischen Vorlesung als auch in der Nachbesprechung mehr als deutlich. In der Aula lag ein erdrückendes, sprachloses Gefühl in der Luft und jedem wurde unweigerlich klar, dass solche Schandtaten sich nicht wiederholen, geschweige denn überhaupt in den Köpfen der Menschen passieren dürfen.

Abschließend ist nun zu sagen, dass die gesamte Vorstellung in ihrem ehrlichen Charakter einmal mehr als Botschaft gegen (Fremden-)Hass, Gewalt und Krieg gilt und damit auch als Prävention dagegen zu verstehen ist.

Text: Mariele Stenzel

Foto: Stefan Roters - Gymnasium Georgianum, Lingen                                                                                                                                                                       

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