Flüchtlingsarbeitskreis St. Michael verabschiedet sich von Familie

„Ich kann einfach nicht mehr, denn ich bin ja allein mit meinen Kindern hier und bin erschöpft. Weitere Briefe dieser Art verkrafte ich nicht mehr. Deshalb gehen wir lieber zurück!“

Begegnungscaf Juli 2018 Kopie

 Begegnungscafe des Flüchtlingsarbeitskreises an St. Michael

Noch einmal hat der Flüchtlingsarbeitskreis der Schulen St. Michael kurz vor den Sommerferien seine Flüchtlingsfamilien zu einem Begegnungsnachmittag in die Cafeteria eingeladen, denn vier irakische und syrische Familien sind nach wie vor sehr mit ihm verbunden, zumal vier ihrer Kinder mittlerweile erfolgreich als Schülerinnen und Schüler die eigene Realschule und das Gymnasium besuchen. Für das Flüchtlingscafé gibt es aber auch  einen traurigen Anlass, denn eine Familie wird zurück in ihre Heimat in den Irak gehen. Das hat die alleinerziehende Mutter Rana Al Rahil nun gemeinsam mit ihren drei Kindern schweren Herzens entschieden. Seit ihrer Flucht im Jahr 2015 besucht diese Familie regelmäßig das Sprach- und Integrationsprojekt der Schulen St. Michael. Die Tochter Dalia hat mittlerweile mit Erfolg die 5. und 6. Klasse an der dortigen Realschule im regulären Unterricht absolviert. Gemeinsam mit dem Flüchtlingsarbeitskreis hat Rana Al Rahil darum gekämpft, in Deutschland eine neue Heimat zu finden und ein Bleiberecht zu erwirken. 

 

 

 

Nachdem sie schon einmal eine Aufforderung zur Ausreise erhalten hat, gegen die sie mit Hilfe des Arbeitskreises über eine Rechtsanwaltskanzlei Einspruch erhoben und ihr Asylantrag dann doch endgültig abgelehnt worden ist, konnte dieser mit Unterstützung von MdL Sigrid Beer eine Petition beim Landtag NRW einreichen. Am 23.11. des vergangenen Jahres kam dann aus Düsseldorf die positive Antwort,  dass „die Petenten mit ihren Kindern selbst bei einem negativ abgeschlossenen Asylverfahren keine aufenthaltsbeendenden Maßnahmen zu befürchten haben. Ein weiterer Aufenthalt im Bundesgebiet wäre dann durch die Erteilung von Duldung möglich.“ Über diese Nachricht waren alle sehr erleichtert und Frau Al Rahil hoffte nun auf eine gute Zukunft in Deutschland. Dann erhielt sie am 23.4. dieses Jahres erneut einen Brief vom Ausländeramt der Stadt Paderborn wieder mit „Androhung von unmittelbarem Zwang“. Sie und ihre Kinder seien seit dem 19.4.2018 zur Ausreise aus der Bundesrepublik Deutschland verpflichtet. Die irakische Familie beschloss darauf hin, aufzugeben und Kontakt zu ihren Angehörigen im Irak aufzunehmen, um wieder dorthin zurück zu gehen. „Ich kann einfach nicht mehr, denn ich bin ja allein mit meinen Kindern hier und bin erschöpft. Weitere Briefe dieser Art verkrafte ich nicht mehr. Deshalb gehen wir lieber zurück!“, so die Worte der alleinerziehenden Mutter im Gespräch mit Schulseelsorgerin Bettina Schmidt. Diese nahm daraufhin direkt Kontakt mit dem Büro des Bürgermeisters auf, um das erneute Schreiben zu hinterfragen und wurde sofort von einem seiner Referenten angehört.  Einige Tage später bestätigte dieser ihr, dass das Schreiben des Ausländeramtes keine weitere Bedeutung habe, außer dass die  Familie sich bei der irakischen Botschaft in Frankfurt gültige Pässe besorgen solle. Familien würden derzeit nicht in den Irak abgeschoben. Es bleibt die Frage, ob man dies nicht auch hätte anders formulieren können? Nun wird Frau Al Rahil also mit ihren drei Kindern (17, 13 und 6 Jahre alt) zurückgehen, weil sie nicht mehr kämpfen und nicht immer wieder Menschen, wie den Flüchtlingsarbeitskreis damit belasten möchte. 

Dieser will nicht be- und verurteilen, ob das Asylrecht falsch oder richtig ist, aber die MitarbeiterInnen dieses Kreises, der aus aktiven und pensionierten Lehrerinnen, sowie den beiden Schulseelsorgern der Schulen St. Michael besteht, fragen sich schon, ob ein Handeln, das am Ende zu solch einer Entscheidung tatsächlich menschlich und christlich ist? Niemand kann die Konsequenzen für diese Familie abschätzen, die sich hier in Deutschland gut integriert hat und sicherlich eine Bereicherung darstellt. Wünschen würden sich alle, dass man diese junge irakische Familie mit der alleinerziehenden Mutter mehr unterstützt und willkommen geheißen hätte. Die Schulen St. Michael haben dafür ihr Möglichstes getan.

Text/ Foto: B. Schmidt (Schulseelsorge)